Persönlicher Werdegang von Anja Lienemann zur diplomierten Textilrestauratorin (FH)


Nach einer abgeschlossenen Lehre zur Handstickerin arbeitete ich als Stickerin in der Werkstatt für evangelische Paramentik in Düsseldorf-Kaiserswerth. Danach studierte ich an der Fachhochschule Köln im Fachbereich Konservierung und Restaurierung die Studienrichtung Textil/Leder. Vorraussetzung für diesen Studiengang sind zahlreiche Praktika, die ich in anerkannten Restaurierungswerkstätten wie z.B. beim Landesamt für Denkmalpflege in Schloss Seehof bei Bamberg und im Deutschen Textilmuseum Krefeld absolvierte.
Seit 1994 arbeite ich als selbständige Diplom-Restauratorin für Textilien in meiner eigenen Werkstatt und habe zwischenzeitlich parallel befristet im Haus der Geschichte der BRD in Bonn und im Museum Schnütgen in Köln gearbeitet.
In meiner Werkstatt werden vor allem Vereinsfahnen, Paramente und Museumsobjekte bearbeitet, ich restauriere aber auch z.B. Tapisserien, Thangkas, Reliquien und textile Wandbilder.


Philosophie

Jedes Objekt wird nach einem individuellen Restaurierungskonzept behandelt, da die Schäden aufgrund von zahlreichen voneinander abhängigen Faktoren immer anders gelagert sind. Dabei wird das Stück entweder dem Originalzustand näher gebracht, oder der heutige Zustand wird durch konservatorische Maßnahmen weitgehend erhalten und das Textil vor weiterem Verfall bewahrt.
Die zu behandelnden Objekte werden vor und nach der Restaurierung detailliert analysiert: Zustand, Material und Technik werden untersucht und beschrieben, wobei z.B. optische Untersuchungsgeräte wie das Mikroskop zum Einsatz kommen. Die Stücke werden anhand dieser Ergebnisse und stilistischen Merkmalen kunsthistorisch eingeordnet. Der Vor- und Nachzustand eines Objekts wird zusätzlich fotografisch festgehalten. Die Ergebnisse werden in einer Dokumentation zusammengefasst, in der die einzelnen Arbeitsschritte beschrieben und begründet werden.

Als diplomierte Restauratorin beherrsche ich neben naturwissenschaftlichem Fachwissen, zahlreiche künstlerische Techniken, die z. B. bei Rekonstruktionen und eventuellen Ergänzungen angewendet werden. Somit kann Neues mit viel Einfühlungsvermögen in das Original integriert werden. Eine gute Restaurierung stützt das Objekt optimal, bringt es wieder als Einheit zur Geltung und tritt dabei selbst in den Hintergrund.
Entscheidend dabei ist, dass die Restaurierung auf den „zweiten“ Blick als nicht-original erkennbar ist, um sich nicht dem Vorwurf der Fälschung preiszugeben.